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Roadtrip durch Europas letzte Wildnis

Mit Karsten, dem Kastenwagen, auf Roadtrip durch Montenegro.

Mit Karsten, dem Kastenwagen, auf Roadtrip Durch Europas letzte Wildnis - Montenegro

Seit drei Jahren begleitet David als Redakteur unsere Maier Sports Entdeckerreisen. Privat entschied er sich im Herbst für eine andere Form des Reisens: Autocamping in der wilden Natur des Balkans. Wir dürfen einen Blick in sein Reise-Tagebuch werfen.

"Wohin fahrt ihr zum Campen? Nach Montenegro? Wo ist denn das? In Italien?“
"Nein, am Balkan. Grob zwischen Kroatien und Griechenland.“
"Aha. Ist das nicht gefährlich?“
"Wieso?“
"Keine Ahnung. Und was macht ihr dann da?“
"Wissen wir noch nicht. Rumfahren und schauen, wo’s uns gefällt.“
"Aha. Na dann. Viel Spaß.“

Dieses Gespräch – bzw. Abwandlungen davon - führten meine Freundin Hannah und ich die letzten Wochen sehr häufig. Montenegro scheint keiner auf dem Schirm zu haben. Tipps für Kroatien bekamen wir ohne Ende. Montenegro-Erfahrungen jedoch – Fehlanzeige! Das kleine und erst 2006 gegründete Land scheint man bei der Urlaubsplanung häufig zu übersehen.

Umso spannender ist es, heute einfach loszufahren. Eine grobe Route haben wir: Demnach werden wir insgesamt rund 3.000 km in 14 Tagen zurücklegen und fünf Länder durchfahren. Wir freuen uns auf jeden einzelnen Kilometer. Denn wir haben ein ganz besonderes Gefährt: unseren neuen Kastenwagen, dem wir den liebe- und klangvollen Namen „Karsten“ gegeben haben. Mit Karsten wurde ein Lebenstraum wahr. Mit ihm müssen wir uns keine Gedanken machen, wann und wo wir ein Zimmer beziehen.

Durch Tirol und Kärnten geht es zunächst nach Kroatien.

TAG 1 & 2 Plitvicer Seen und Okrug Gornji

Ich liebte die endlose Weite, die Einsamkeit der Straße, den Fokus auf den Weg und das Vergessen aller Ablenkungen.

Kaum hatten wir die vollen, schnellen deutschen Autobahnen hinter uns gelassen und waren auf die österreichische Bundesstraße  gewechselt, stellte sich dieses romantische Roadtrip-Freiheitsgefühl ein. Aber im Urlaub angekommen waren wir bereits wenige Kilometer nach unserer Abfahrt. Komplett durchfahren erschien uns dennoch zu anstrengend.

Darum entschlossen wir uns zu zwei Zwischenstopps: einen an den Plitvicer Seen, die für den Winnetou-Klassiker „Der Schatz im Silbersee“ eine unwirklich malerische Kulisse boten, und einen weiteren auf der Insel Okrug Gornji, kurz vor Split. 

Tag 3 Wir sind da. Aber wo?

Zugegeben, die Ankunft in Montenegro hatten wir uns anders vorgestellt. Es war kurz nach Mitternacht als wir den Grenzübergang im Osten erreichten.

Die Straßenlaternen spendeten nur spärlich Licht. Straßennamen oder gar Seitenstraßen zu erkennen, war wie ein Sehtest mit verschmierter Brille. Unseren anvisierten Campingplatz fanden wir so natürlich nicht. Wir fuhren etwa vier Mal die westliche Küstenstraße der Bucht von Kotor entlang bis Hannah plötzlich ein altes, verblasstes Schild sah, das eine kleine Wiese als „Auto Camping“ auswies. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Also rollten wir bis ans andere Ende der Wiese, parkten und legten uns – ohne Schimmer, wo wir gerade wirklich stehen – schlafen. Bin gespannt, wie das hier morgen aussieht.

Tag 4 Norwegen am Mittelmeer

Die Bucht von Kotor wird auch als südlichstes Fjord von Europa bezeichnet.

Wir mussten uns herzhaft selbst auslachen, als wir heute Morgen die Seitentür aufschoben. Denn wir standen gar nicht auf irgendeiner schäbigen Hinterhof-Wiese, wie wir die ganze Zeit dachten, sondern direkt – also wirklich direkt – an Europas einzigem Fjord, der nicht in Skandinavien liegt. Und direkt unter Feigen-Bäumen.

Von unserem Auto-Bett aus blickten wir in die malerische Bucht von Kotor. Die Morgensonne schimmerte über die Wasseroberfläche und ein alter Mann tuckerte mit seinem kleinen Fischerbötchen vorbei. Es dauerte keine drei Minuten bis Hannah mit exakt fünf Schritten ins Mittelmeer eintauchte und in den Sonnenaufgang schwamm

Den Tag verbrachten wir damit, mit den Mountainbikes die Küste zu erkunden. Unser Reiseführer kündigte eine vom Tourismus in den letzten Jahren überflutete Stadt an. Wir scheinen die Welle jedoch gut abgepasst zu haben. Das terrassenförmig angelegte Städtchen wirkte heute viel eher verschlafen als überlaufen. Ich fühlte mich an Kindheitsurlaube in Italien zurückversetzt. Nur, dass mir hier alles gemächlicher und unaufgeregter erschien.

Tag 5 WIR HABEN KARSTEN VERLETZT!

Seit 1979 zählt es zu den UNESCO-Weltkulturerben und das absolut zurecht.

Gefühlt waren wir heute in drei Ländern. Am Vormittag folgten wir der Küstenstraße entlang der Bucht bis nach Kotor. Umrahmt von den bis 1894 Meter hoch aufsteigenden Bergen Orjen und Lovcen auf der einen, sowie der tief eingeschnittenen, imposanten und schmalen Bucht auf der anderen Seite, liegt das kleine historische Hafenstädtchen. Verwinkelte, schmale Gassen schlängeln sich durch die eng an den Hang gebauten, zum Teil jahrhundertealten Steinhäuser.

Nach unserem Abstecher in Kotor bahnten wir uns genüsslich unseren Weg ins Durmitor Gebirge. Wir ließen den Fjord hinter uns und durchkreuzten erst eine Ebene, in der man sich vorkommt als durchfahre man den US-amerikanischen mittleren Westen. Einsame Hütten in weitem Land, vereinzelte Schafsherden am Horizont und absolute Ruhe so weit das Auge blickte. Hinter Niksic bot sich dann ein anderer Blick. „So stell ich mir Kanada vor“, meinte Hannah. Aus gutem Grund: Auf gelbe Felder folgten wellige, sattgrüne Wälder.

Kurz vor Zabljak sollte unser zweiter Camping-Platz liegen. Auch diesmal mit herausfordernder Anfahrt. Das Navi lotste uns einen steinigen Feldweg entlang, der plötzlich steil aufstieg. Behutsam tastete ich mich hinauf, doch die Steine waren zu groß, als dass die Reifen Grip bekamen. Wir mussten abbrechen und den ganzen Weg rückwärts zurückeiern. Ohne Navi, dafür mit Bauchgefühl fanden wir ein paar hundert Meter weiter eine asphaltierte Straße zum Auto Camp Kod Boce.

Tipp: Für nur acht Euro lässt es sich hier in kleinen Mini-Häuschen campen.

 

Tag 6 MEDITIEREN UNTER SCHAFEN

An keinem Ort wird die „wilde Schönheit“ Montenegros so sichtbar wie hier.

Unser heutiges Ziel: der Bobotov Kuk, mit 2.522 m der offiziell höchste Berg Montenegros. Das Durmitor-Massiv gehört mit seiner schroffen Karst-Landschaft zum UNESCO-Weltkulturerbe. Uns schluckte heute die Verlassenheit des Durmitor. Nur ein paar rote Punkte und ein kaum erkennbarer Trampelpfad wiesen den Weg durch die Karstlandschaft. Gut zu wissen: In Montenegro gab es während der Jugoslawienkriege keine Kampfhandlungen. Was bedeutet: Minen, wie sie etwa durch Verschwemmungen in Kroatien und Bosnien unkontrolliert verteilt wurden, gibt es hier nicht.

 

Dafür zwang uns eine nicht ausgeheilte Sportverletzung dazu, Risikominimierung zu betreiben und auf halber Strecke zum Gipfel des Bobotov Kuk umzudrehen. Das Gute: Uns blieb Zeit, im Nirgendwo Brotzeit zu machen. Wir saßen am Hang und blickten wie über einen fremden Planeten. Schon nach paar Minuten merkte man wie sich die Sinne schärften. 

In der Ferne hörten wir einen Flötenspieler. Ein Schäfer saß vor seiner Hütte und spielte seiner Herde ein Lied. Wir lauschten wortlos und beobachteten wie die Wolken schleichend neue Schatten-Muster in die Landschaft malten. Ich habe mal gelesen, Nichtstun sei einer der Lieblings-Urlaubsbeschäftigungen von uns Deutschen. Man sollte es an Orten wie diesen machen.

 

Tag 7 GEHT KAUM KLARER: DIE TARA

Fünf Millionen Menschen reisen jährlich zur tiefsten Schlucht der Welt, dem Grand Canyon. Die zweittiefste scheint jedoch niemand zu kennen. Obwohl sie fast vor unserer Haustür liegt: die Tara.

„Edelstein Europas“  „Träne Europas“ – so nennen die Einheimischen stolz ihren wilden und unwirklich klaren Gebirgsfluss Tara. Bis zu 1.300 Metern tief ist die Schlucht, durch die sich der Fluss über die Jahrtausende gegraben hat. Die tiefste Europas und die zweittiefste der Welt nach dem Grand Canyon.

Die Tara hat zwei Gesichter: ihre wilde, archaische und ihre touristisch domestizierte. Wir wollten beide erleben. Also schlängelten wir uns nördlich von Zabljak mit dem Auto eine Waldstraße entlang. Wir landeten an einem kleinen Parkplatz und es waren nur ein paar Meter, bis sich mitten im Wald vor uns der Boden aufriss. Ein Bänkchen, 50 cm ungesichert vor dem Abgrund, ein schmaler Trampelpfad und zwei weitere Wanderer waren alles, was wir hier an „Tourismus“ vorfanden.te. 

An der zweiten - touristischen - Seite der Tara kommt man ohnehin nicht vorbei. Wer die Tara besucht, muss sie auf einer Rafting-Tour erkunden, liest man in Reiseführern und Blogs. Ein Anfängerfehler: Man macht kein Rafting im September. Denn natürlich trägt der Fluss jetzt das wenigste Wasser und zeigt sich von seiner sanften, statt turbulenten Seite. 

Tag 8 WIR NENNEN ES „EURO-KANADA“

Wir sind im Biogradska Nationalpark im Osten des Landes angekommen und erstmals ist das Wetter bescheiden.

Schluss mit herrlichem Sommer-Wetter. Zumindest heute. Im Biogradska Nationalpark beschlossen wir unseren Aufenthalt zu verkürzen. Bereuen tun wir den Abstecher dennoch nicht. Allein die Fahrt war einmal mehr ein Erlebnis. Die Serpentinen folgten lange Zeit der Tara und führten immer wieder durch alte, in den Fels gehauene Tunnels.  

Im Biogradska Nationalpark tauchten wir wieder ein ins „Euro-Kanada“, wie Hannah und ich die grünen Regionen umtauften. Der Vergleich ist nicht nur, was die Vegetation betrifft, naheliegend. Denn Bären und Wölfe leben in diesen Wäldern noch in freier Wildbahn.

Am einzigen Campingplatz des Parks stießen wir auf nicht mehr als zehn weitere Camper. Und so fanden wir unter dem Vordach einer Holzhütte Unterschlupf, um uns Nudeln mit Thunfisch und Tomatensoße zu kochen. Dazu ein trockener regionaler Rotwein Marke Vranac Pro Corde. Abenteuer-Aktiv-Modus: aus, Abenteuer-Genießer-Modus: an.

Tag 9 & 10 EINFACH FAUNA-TASTISCH – DER SKUTARI-SEE

„Links! Links! Hier links!“ – gut, dass ich Hannah blind vertraue. Sonst hätten wir eine der schönsten Aussichten Montenegros verpasst.

Unser Blick fiel auf eine schmale Straße, die mitten ins Gestrüpp führte. Wir folgten der Serpentine und kamen vor einem alten Hotel zum Stehen. Unsere Aufmerksamkeit wurde auf das vermutlich berühmteste Bild, das Outdoor-Enthusiasten mit Montenegro in Verbindung bringen, gezogen: der Blick in die 180-Grad-Seitenarm-Schleife des Skutari-Sees.

Nachdem wir die europäische Variante Norwegens, des Kaukasus’ und Kanadas sahen, blickten wir nun über den europäischen Amazonas. Einen Amazonas im Indian-Summer-Gewand. Leuchtende Farben von grün bis rot, Propellerboote, sumpfige Ufer und eine symmetrische 180-Grad-Kurve ließen den See hier als Fluss erscheinen. Es gibt Momente, in denen man Ruhe und Einsamkeit braucht, um sie aufsaugen, genießen und wertschätzen zu können. In Montenegro hat man diese.

Der Skutari-See ist unter anderem Lebensraum für 260 Vogelarten, darunter Pelikane, rund 40 Fischarten, aber auch Schlangen, Amphibien, Landschildkröten und den Skutari-Wasserfrosch. In der Umgebung leben nicht nur Wölfe, sondern auch Wildschweine. Es wachsen Heilkräuter, Orchideen und im Winter überwintern hier rund 50.000 Vögel. Kurz: Der Skutari-See ist ein Natur-Paradies.

 

TAG 11-14 EIN GANZER STRAND NUR FÜR KITESURFER

Kurz vor der albanischen Grenze versteckt sich (noch) dieser Insider-Tipp für Kitesurfer. Die Stadt Ulcinj.

Wir sind am Ziel unserer Montenegro-Rundfahrt angekommen: Ulcinj! Über 14 km lang füllt sich der Sandstrand ausschließlich mit Kitesurfern. Badegästen, aber auch Windsurfern und anderen Wassersportlern ist der Zugang zum Meer untersagt. Am Strand tanzen hunderte bunte Schirme bis zum Sonnenuntergang im Wind.

Besonders für Einsteiger sei das Revier ideal.

Wir machten uns von allen Kitesurf-Schulen persönlich ein Bild. Fast am Ende des Strands, fanden wir unsere neue Heimat für die letzten vier Urlaubstage. Das Kiteboarding Center Laguna wird von Alex, einem deutschen Auswanderer geführt. Neben deutschsprachigen Kursen mit Top-Leihausrüstung gibt es auch ein paar Wohnwägen zur Übernachtung. Diese stehen direkt im Sand, mit Blick aufs Meer und geben dem kitschigen Surf Lifestyle den letzten Feinschliff. 

Seit zwei Wochen ist das Pfeifen des Windes, Rascheln des Waldes und das Rauschen des Meeres unsere Einschlafmusik. Wir werden es vermissen. Packen und „Abreisen“ müssen wir nicht. Wir haben gelernt, auch den Weg als Teil der Reise zu verstehen und zu genießen. Wir drehen ein letztes Mal das Fenster runter, lassen die warme Sommerluft durchs Auto wehen, drehen die Musik auf und fahren los. Nach Hause. Und irgendwann wieder weiter. In eine andere Richtung, zu neuen Orten und neuen Erlebnissen.

5 Tipps für Ihre Autocamping-Reise durch Montenegro

Im Vorfeld wurden mir einige Märchen zu Autoreisen an den Balkan erzählt. Diese werden jetzt aus dem Weg geräumt:

1. Holen Sie sich die grüne Versicherungskarte

Ohne eine gültige Kfz-Haftpflicht können Sie nicht nach Montenegro einreisen. Als Nachweis dient hierfür die so genannte „grüne Karte“. Vor allem in West- und Zentraleuropa muss man diese jedoch nicht mehr mitführen. Anders jedoch am Balkan: Hier ist sie Pflicht! Sie erhalten Sie kostenlos, indem Sie sie bei Ihrer Kfz-Versicherung anfragen. Haben Sie dies vergessen oder die grüne Karte daheim liegen gelassen, ist dies kein Problem. Bei der Einreise nach Montenegro haben Sie die Möglichkeit, eine KFZ-Versicherung für 15 Tage abzuschließen. Diese kostet lediglich 30 Euro und sollte damit das Reisebudget nicht sprengen.

Das große Aber: Kommen Sie mitten in der Nacht an die Grenze, kann es passieren, dass das Versicherungsbüro geschlossen ist. Dann stecken Sie fest. Ebenso zu beachten: Wollen Sie über Bosnien und die dortige M6 fahren, benötigen Sie für Bosnien ebenfalls eine separate, temporäre Kfz-Versicherung!

2. Lassen Sie sich nicht drängeln

In Montenegro sind in der Regel innerorts 50 km/h und außerorts 80 km/h erlaubt. Mitunter finden sich jedoch außerorts auch Abschnitte, auf denen nur 60 km/h zulässig sind. Von der herrlichen Autofahrt lässt man sich gerne ablenken. Hinzu kommen Einheimische, die sich nur sehr selten an die Geschwindigkeitslimits halten. Montegriner haben nicht nur einen sehr sportlichen Fahrstil, sondern überholen bei allen Möglichkeiten – auch jenen, die man selbst nicht als „Möglichkeit“ beschreiben würde. Allerdings kennen die Montegriner ihre Straßen aus dem Effeff. Lassen Sie sich also auf keinen Fall hetzen und drängeln.

3. Wohnwagen-Fahrer sollten vorab die Route im Internet prüfen

Eine Autobahn gab es zu unserem Besuch im Herbst 2017 noch nicht. Eine Nord-Süd-Autobahn ist jedoch seit 2014 im Bau. Der erste Abschnitt wurde 2017 fertiggestellt. Wann sie vollendet sein wird, ist uns nicht bekannt. Ist aber nicht schlimm, denn so lange kommen Sie nicht um die traumhaften Landstraßen herum, die Sie ohnehin nicht verpassen sollten! Die schönsten sind aber zum Teil auch die engsten. Montegriner werden Ihnen immer sagen, dass Sie diese bequem befahren können. Mit einem Wohnwagen könnte es jedoch hier und da wirklich eng und schweißtreibend werden. Vor allem, wenn es neben Ihnen steil in die Tiefe geht und nur 50 cm hohe Steinbrocken eine Leitplanke ersetzen. Ein solcher Abschnitt ist bspw. die alte Landstraße P16 entlang des Skutari-Sees. Bei Google Maps sieht sie idyllisch und harmlos aus – mit einem PKW ist sie dies auch. In Ulcinj lernten jedoch einen Wohnwagen-Besitzer kennen, der schweißgebadet bei der erstbesten Gelegenheit umdrehen musste. Daher der Tipp: Studieren Sie vor Ihrem Wohnwagen-Trip die Reiseblogs und -foren, welche Routen andere Wohnwagen-Fahrer empfehlen können!

4. Verzichten Sie auf Wildcampen

Abgeschiedenheit, Ruhe, Natur pur und absolute Freiheit - Wildcampen gilt unter Outdoor-Fans als der Inbegriff des „echten“ Campens. Ich gebe es zu, auch wir planten in Montenegro die eine oder andere Nacht „wild“ an einem schönen Spot zu verbringen. Doch: Dies ist gar nicht nötig – zumindest noch. Denn die Campingplätze sind mit jenen in Kroatien nicht ansatzweise zu vergleichen. Wenn Sie Pech haben, stoßen Sie vielleicht auf fünf weitere Camper. Ansonsten dürfen Sie sich auf viel Freiraum freuen. Auch die Infrastruktur ist in den meisten Fällen derart spartanisch, dass nicht viel zum Wildcampen fehlt. Großer Vorteil: Eine Dusche und ein WC haben Sie dennoch. Ein Luxus, den man als Camper zwar nicht braucht, aber der ein dennoch toller Kompromiss ist. Last but not least: der Preis. Unsere teuerste Nacht kostete acht Euro, das heißt vier pro Person. Auch das dürfte in jedem Reisebudget drin sein.

5. Lassen Sie sich keine Bären aufbinden!

Die Geschichten, die wir vor unserer Abfahrt über Autocamping in Montenegro hörten, waren allesamt schlichtweg falsch. So wurde uns erzählt, dass die Straßen in desolatem Zustand seien. Stattdessen rollten wir über Straßenbeläge, die weitaus ebener waren als daheim. Ebenso bekamen wir Mutmaßungen zu hören, dass es doch zu gefährlich sei, am Balkan zu campen. Diesen Eindruck – woher auch immer er kommen möge – hatten wir nicht eine einzige Nacht. Bestätigt sahen wir dies in der Erzählung von unserem Kite-Lehrer in Ulcinj, der uns berichtete, dass in den acht Jahren, in denen er am Strand seine aus Brettern zusammengenagelte Kite-Schule hat, noch nie eingebrochen oder etwas geklaut wurde. Und das obwohl sich unter anderem ein riesengroßer Flatscreen ungesichert auf der ebenerdigen Terrasse befindet.

Kurzum: Montenegro bietet eine der letzten wirklich wilden Naturräume Europas. Wen es gewöhnlich auf große Abenteuer in entlegene Regionen Kanadas, Australiens, Afrikas oder Südamerikas zieht, der muss zumindest einmal in seinem Leben auch die Wildnis vor der eigenen Haustür erkundet haben. Montenegro bietet seinen Besuchern nicht nur alles, was Outdoor-Reisen so einzigartig macht. Montenegro macht das Reisen auch sehr einfach. Man muss nur ins Auto steigen und losfahren.